Ultrà Biblioteka – Fragen Teil 1: Keine Antworten – Teil 1

Vor wenigen Tagen las ich den Fragenkatalog von Donbib in Ultrà Biblioteka. So berechtigt all diese Fragen sind, so sinnlos erscheinen sie mir, da sie von der Prämisse ausgehen, dass es das Bibliothekswesen in seiner hergebrachten Form noch gibt und es weiter Bestand haben wird. Was also antworten?

Schließlich, machnmal hilft der Zufall, stieß ich via Twitter auf den Beitrag von Martin Lindner mit dem Titel ‚Unser Bildungssystem: Das Undenkbare Denken‘, in welchem er einen Essay Clay Shirkys in der New York Times vom März 2009 zur Zukunft der Zeitungen (“Newspapers and Thinking the Unthinkable”), mal ein wenig umgeschrieben hat. Lindner ersetzte ‚Zeitungen‘ schlicht durch ‚Bildungssysteme‘ und siehe da, Shirkys Aussagen scheinen geradezu universell zu sein. Neugierig geworden machte ich mich daran, ‚Bildunggssysteme‘ durch ‚Bibliotheken‘ zu ersetzen. Herausgekommen ist das Folgende, dass zwar keine Antworten auf die Fragen des Kollegen liefert, aber möglicherweise erkennen lässt, warum es keine Antworten geben kann:

Hier also Lindners Übersetzung (die ich vollständig übernommen habe) mit meinen Ergänzungen:

“In wirklichen Revolutionen, wie wir sie gerade erleben, zerbrechen alte Strukturen schneller als neue Strukturen entstehen können. Nicht einmal die Revolutionäre selbst können vorhersagen, welche Formen entstehen werden.

Wenn jemand fordert, dass wir doch sagen sollen, durch was genau wir die Bibliotheken, die Schulen, die Universitäten, die Weiterbildungsformen ersetzen wollen, wollen sie eigentlich, dass man ihnen versichert, dass dies gar keine Revolution ist, in der wir gerade stehen. Sie wollen beruhigt hören, dass die alten Systeme nicht zerbrechen werden, bevor nicht neue Systeme an ihre Stelle getreten sind. Sie wollen barmherzige Lügen hören. Aber es gibt immer weniger Leute, die mit genug Überzeugungskraft solche barmherzigen Lügen zustande bringen.

Wenn die Wirklichkeit als ‚undenkbar‘ abgestempelt wird, verbreitet sich eine kranke Atmosphäre in den Systemen, die das Undenkbare auszuschließen versuchen. Leute, die das Undenkbare aussprechen, werden marginalisiert. Zugleich verliert das System selbst die innere Gravitationskraft. Es zerbröselt von innen heraus, weil auch alle, die das System tragen, in ihrem tiefsten Inneren nicht mehr daran glauben. (Obwohl sie das nicht wollen und vor sich selbst zumindest offiziell nicht zugeben. Auf den Fluren und in den Kaffeeküchen aber wird alles immer schonungsloser kaputtgeredet.)

Alle gewohnten Formen der organisierten Lehre und Wissensvermittlung verlieren ihren inneren Halt. Das alte System, in dem sich strenge soziale Grenzkontrolle, äußerer Druck und verknappter, alternativloser Zugang zu Wissen gegenseitig stützten, bricht bereits jetzt auseinander.

Die Neigung der Leute, sich Information und Wissensbruchstücke aus sämtlichen Web-Quellen zusammenzukopieren, ist kein Betriebsunfall, sondern nimmt extrem zu. Sobald alle Lernenden es gewohnt sind, sich im Web aufzuhalten, löst sich das alte Bildungssystem auf, soweit es auf äußerem Druck und künstlicher Verknappung beruht. Alle Bannflüche gegen Wikipedia und Google verpuffen völlig wirkungslos. Die Leute lesen immer weniger auf Papier und immer mehr auf Bildschirmen.

Zertifikate und Zeugnisse werden noch mindestens für weitere 10 Jahre durch immer extremere Pauk-und-Drill-Lehrpläne künstlich exklusiv gehalten, aber hinterher nützen sie niemand mehr etwas, weil alle wissen, dass diese Zertifikate über wirklich brauchbare Kompetenzen nichts aussagen.

Alle Lernorte, die als ‚ummauerte Parks‘ organisiert sind, werden absterben und verdrängt durch offene Weblern-Netzwerke ohne finanzielle und formale Zugangsschwellen. (‚Ummauerte Parks‘, walled gardens, das sind etwa Klassenzimmer plus Schulbücher; Schultypen, in die nicht jede/r heineindarf; Uni-Institute und Uni-Seminare, Bibliotheken,teure Weiterbildungsseminare zu Themen wie ‚Projektmanagement‘ …)

Es wird immer hilflosere Antworten auf die immer gleiche Frage geben: “Wenn das alte Modell von Wissenszugang und sozialer Kontrolle im Namen des Wissens versagt, welches neue Modell kann dann an seine Stelle treten, um das bestehende Organsiationsmodell zu bewahren?”

Und die Antwort ist: Keines. Kein Modell wird mehr funktionieren, das auf soziale Auslese durch Verknappung und Formalisierung des Wissens zielt. Die Schulen und die Universitäten sind in ihrer alten Form ebenso unrettbar wie die Schulbuchverlage, wie die Bibliotheken. Wenn es sie in 20 Jahren noch gibt, werden sie entkernt sein wie eine historische Fassade. Dahinter ist dann entweder das gähnende Nichts, oder eine völlig neue Wissens-Organisation, in der das Web die zentrale Lernumgebung ist. ‚Schulstunden‘ und ‚Seminare‘ werden ihren Charakter völlig gewandelt haben. Oder – wahrscheinlicher – sie bestehen dann nur noch als sinnlos wiederholten Hohlformen, und nur die Privilegierten werden wissen, wie sie ihre eigentlichen Lernbedürfnisse außerhalb dieser Formen stillen.

Schüler durchlaufen dann vielleicht das System weiterhin, gezwungenermaßen, aber sie glauben nicht an den Wert dessen, was dort gelehrt wurde. (Genaugenommen haben Schüler auch früher schon in den allermeisten Fällen nicht daran geglaubt. Nur war das damals eben nicht der Punkt. Es ging zuerst um soziale Auslese. Und für Wissbegierige gab es keine Alternative.)

Am Ende ist, außerhalb von Beamtenlaufbahnen vielleicht, die formale Bildung nur noch dann etwas wert, wenn das Gelernte sich nachprüfbar in selbstständig verfolgten Portfolios und Projekten niederschlägt. Selbstlerner werden in der Praxis erfolgreicher sein als die Leute, die zuviel Energie und Lebenszeit auf den immermehr überfrachteten formalen Bildungsweg verwendet haben.

Die Annahme ist falsch, dass die traditionellen Organisationsformen (‚die Bibliothek‘, ‚die Schule‘, ‚die Universität‘, auch eingeschliffene Formen betrieblicher Weiterbildung) nur ein digitales Lifting brauchen, um dann wieder wie neu zu sein.

Wenn man wissen will, warum die Schulen, Bibliotheken und Universitäten und herkömmlichen Unternehmen in so großen Schwierigkeiten sind, dann ist der entscheidende Grund: Die Kosten sind viel zu hoch. Die Kosten für die Instandsetzung und den Neubau der Gebäude, die Kosten für die Gehälter und Pensionen, und die Kosten, um den Apparat selbst am Laufen zu halten, mit unendlich viel Verwaltung und Papierkram und immer neuen Sitzungen und Meetings.

Das ist dann nicht mehr zu rechtfertigen, wenn erstens nicht mehr genug Geld da ist und wenn es zweitens schlicht nicht mehr nötig ist:

Ein digitales Netzwerk braucht die alten Gebäude und Anwesenheits-pflichten nicht mehr. Es braucht keine Lebenszeit-Verträge mehr. (Und das ist bitter für die, die früher solche Verträge bekommen hätten.) Die Leute, die im digitalen Netzwerk zusammen lernen und arbeiten (beides verschwimmt ohnehin), treffen sich künftig seltener, aber sehr viel gezielter und mit sehr viel höherer Intensität. Dazu brauchen wir neue Räume und neue soziale Formen.

Früher, im bürgerlich-industriellen Zeitalter, war die leistungsfähigste Hardware/Software das Gebäude: Schulgebäude oder Bibliotheksgebäude als Wissensmaschinen, mit den Stockwerken, den Fluren, den durchnummerierten Räumen und den hierarchisch klar markierten Plätzen. Das war deshalb so erfolgreich, weil es die einzige und die beste Möglichkeit war, kompetenten Leuten Rollen zuzuweisen und sie miteinander zu vernetzen.

Mit dem Web ist das vorbei, und zwar unwiederbringlich. Es werden weiterhin Leute gemeinsam in Räumen sitzen, um zu arbeiten und zu lernen, aber erstens nicht mehr jeden Tag und zweitens wird die Form, in der sie das organisiert tun, völlig anders sein.

Die Vertreter der Schulen, Bibliotheken und Universitäten werden dasselbe sagen wie die Vertreter der Zeitungen: “Ihr werdet uns vermissen, wenn es uns nicht mehr gibt.” Das ist in mancher Hinsicht durchaus wahr, aber es ist irrelevant für das Problem, um das es geht. Diese Gesellschaft muss ihr Wissen so organisieren, dass sie in Bewegung bleibt und sich permanent erneuern kann. Und sie hat schlicht kein Geld und keine Zeit mehr, um ein erneuertes System zu planen, zu testen und durchzusetzen. Das Bildungssystem ist unreformierbar.

Aber was passiert dann mit den Lehrern, mit der bürgerlichen Bildung, mit der sozialen Sicherheit der Leute in den Reihenhäusern, die sich jetzt durch einen exklusiven Schulabschluss von den anderen absetzen?

Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Wir durchleben gerade eine revolutionäre Zeit, wie damals um 1500, nach Gutenberg. Wir haben keine Ahnung, was in den nächsten 20 Jahren genau passieren wird. Wir wissen nur, dass es kein Zurück gibt. Wahrscheinlich gibt es bereits die Software-Applikationen und sozialen Formen im Web, aus denen sich künftige neue komplexe (aber unbürokratische) Formen des Lernens und des Wissens (‚Wissen‘ als Tätigkeitswort) entwickeln werde. Aber wir wissen nicht, welche es sein werden und welche hinterher dann nur Seitenäste oder Übergangsformen der Evolution gewesen sein werden.

Die Gesellschaft braucht genaugenommen weder die Schul- und Bibliotheksgebäude noch das bürgerliche Bildungssystem. Was sie braucht, ist Pädagogik, Lehren, Inspiration, das Formulieren von Wissensmodellen, die klar und flexibel genug sind, dass andere sie sich aneignen können.

Wenn wir uns nicht mehr fragen, wie wir die Schulen, Bibliotheken und das Bildungssystem retten können, sondern wie wir eine funktionierende demokratische und humane Gesellschaft bewahren können, durch ständiges Neuerfinden, dann ist der Imperativ nicht mehr ‚Bewahre die alten Institutionen‘, sondern ‚Experimentiert!‘

Jetzt ist die Zeit der Experimente. So viele Experimente wie möglich. Noch nie war es so einfach, mit neuen Lern- und Wissensformen zu experimentieren. Über den Erfolg der Experimente entscheidet dann das Feedback der Wissenshungrigen und Lernbegierigen, die ja selbst unterschwellig verzweifelt sind, weil sie ahnen, dass das gegenwärtige Bildungssystem ihnen das Wissen und die Kompetenzen nicht vermitteln kann, die sie in den Umbrüchen der nächsten Jahre und Jahrzehnte dringend brauchen werden.”

Lindner fragt schließlich:“Ist das bloß ein interessantes Gedankenexperiment?“ Shirky sagt nein. Er sagt, diejenigen, die die Bodenhaftung verloren haben, sind die Leute, die glauben, dass es im Grunde so weiter geht wie bisher.

‚Digitale Demenz‘ oder wie wir alle verblöden

Einige  Experten sind der Überzeugung, die dauerhafte Nutzung von Internet, Smartphones und anderer digitaler (Bildschirm-) Medien führe beim Menschen zu insgesamt ein ungeduldigeres, impulsiveres Verhalten und zu zunehmender Vergesslichkeit. Manfred Spitzer, Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, geht sogar soweit zu behaupten, Bildschirmmedien ließen unsere Kinder verblöden. (Video)

Erinnerungs- und Merkfähigkeit werden durch das Delegieren von Aufgaben an digitale Geräte, z.B. an Navigationsgeräte, verkümmern, weshalb zukünftige Generationen grundlegende Fähigkeiten, wie etwa das Lesen von Landkarten, verlernen, so Spitzers Überzeugung.

Bereits in seinem 2006 erschienenem Buch Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft verortete Spitzer die Ursache mangelnder Bildung und (vermeintlich) zunehmender Verdummung unserer Kinder bei der Reizüberflutung durch Bildschirmmedien.

 Was ist dran an diesen Behauptungen?

Recht sicher ist man sich heute darüber, was beim Lernen im Gehirn geschieht..  Damit über das Lernen das entstehen kann, was wir im Allgemeinen unter Wissen verstehen, müssen die Neuronen im Gehirn beansprucht werden. Je ausdauernder und konzentrierter die Beanspruchung erfolgt, desto effektiver fällt der Lernerfolg aus.

Sehr einfach ausgedrückt, bedarf es der Konzentration auf eine Sache, damit sich neuronale Verbindungen im Gehirn bilden können und neuronale Netzwerke entstehen. Je mehr Konzentration auf eine Sache gerichtet wird, desto stabiler die Verknüpfung der Nervenzellen.

 Der natürliche Feind dieser Form des Lernens ist mangelnde Aufmerksamkeit. Je mehr Quellen ich meine Aufmerksamkeit widme, desto weniger bleibt für die einzelne Quelle übrig. Oder wie es der Bremer Neurowissenschaftler Gerhard Roth ausdrückt:

Wir können umso mehr Geschehnisse gleichzeitig bewusst verfolgen je weniger Aufmerksamkeit wir auf sie verwenden; umgekehrt ist die Menge der erfassten Geschehnisse um so kleiner, je aufmerksamer wir sind, d.h. je mehr wir uns auf sie konzentrieren.

Computer und andere digitale Bildschirmmedien liefern einen konstanten Strom an Stimuli, weshalb sie eine echte Herausforderung für die Fähigkeit zum Fokussieren und zur Konzentration bedeuten. Es ist mittlerweile keine Ausnahme mehr, dass zeitgleich ferngesehen und dabei über das Smartphone kommuniziert wird. Oder dass am PC gespielt wird, während gleichzeitig Musik läuft und das Handy regelmäßig nach neuen Nachrichten gescannt wird.

Diese Formen des Multitaskings halten unser Gehirn ständig auf Trab, fordern es unablässig. Eine Gefahr besteht nun darin, dass der unablässige Strom an Stimuli und an Informationen uns nicht genügend Zeit dafür lässt , Informationen abzuspeichern und schließlich erinnern zu können.

Bei Kindern, deren Gehirne sich erst noch richtig ausbilden müssen, wirken diese unablässigen Stimuli besonders stark auf die Fähigkeit zur neuronale Vernetzung.

Spitzers Behauptung, so polemisch sie auch vorgetragen wird, dass andauernde Stimulation durch Bildschirmmedien unsere Kinder ‚verdummen‘ lässt, ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen. Und vermutlich gelten diese Aussagen nicht nur für Kinder, denn die Fähigkeit zur ständigen Neuverknüpfung der Neuronen im menschlichen Gehirn generell (Neuroplastizität) lässt vermuten, dass auch Erwachsenengehirne bestimmte Fähigkeiten einbüßen beim Dauergebrauch von Bildschirmmedien.

Dies scheint sich durch die Untersuchungen u.a. der Stiftung Lesen zu bestätigen die ergeben haben, dass sich Lesestrategien Erwachsener in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt haben. Immer häufiger werden Bücher nicht von Anfang bis Ende, sondern sporadisch gelesen. Dabei werden Teile überflogen und es wird erst dort weiter gelesen, wo das Buch wieder interessant zu werden scheint. Eine wachsende Zahl von Personen liest mehrere Bücher gleichzeitig. Insgesamt nimmt das sogenannte „Häppchen-Lesen“ zu. Bei Jugendlichen, so sie denn überhaupt noch Bücher lesen, ist das „Häppchen- Lesen“ noch weiter verbreitet. Dieses Verhalten wird mit der Nutzung elektronischer Medien in Verbindung gebracht, bei dem häufig eben nicht fokussiert und konzentriert vorgegangen wird.

Offenbar werden, so die naheliegende Vermutung, Verhaltensweisen aus der Nutzung digitaler Medien auf die Nutzung analoger Medien übertragen.

Eine Abnahme bestimmter Fähigkeiten wird seit einiger Zeit auf unterschiedlichen Ebenen thematisiert, u.a. wenn es um die Ausbildungs- oder Studierfähigkeit junger Menschen geht. Genau in diese Kerbe haut Spitzer mit seinen sehr einseitigen Auslegungen und Schlussfolgerungen.

Außer Acht lässt er dabei die Tatsache, dass wir alle sehr viel mehr unterschiedliche Kompetenzen erwerben im Laufe eines Lebens, als jede Generation zuvor. Dieser Umstand führte vermutlich auch zu der stetigen Zunahme an IQ-Punkten bei Menschen in westlichen Industriegesellschaften bis in die 1990er Jahre, der sogenannte Flynn-Effekt.

Auch fand der Psychologe Hugo Schmale mittels standardisierter Berufseignungstests heraus, dass Jugendliche heute eine um 30 Prozent höhere visuelle und akustische Wahrnehmungsgeschwindigkeit haben, als noch vor zwanzig Jahren. Zurückgeführt wird dies darauf, dass der Konsum audiovisueller Medien eben zu entsprechenden Vernetzungen im Gehirn führt und sich als Folge davon die Kompetenzen auf diesen Gebieten – relativ gesehen – erhöhen. 

Gemessen am derzeit gültigen Bildungskanon und dem, was Lehrpläne so vorgeben, ist ein großer Teil (nicht nur!) der jüngeren Menschen vermutlich als mehr oder weniger dumm zu bezeichnen – mit steigender Tendenz. Was allgemein unter ‚Intelligenz‘ und ‚Wissen‘ subsumiert wird, unterliegt jedoch einem stetem Wandel,  immer abhängig davon, was gesellschaftliche, soziale und ökonomische Gegebenheiten aktuell fordern.

Derzeit erleben wir, dass ‚Wissen‘ eine neue Bedeutung erfährt, hin zu mehr ad hoc oder just-in-time-Wissen. Es wird gelernt, um z.B. ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Im Hinblick auf zunehmend partizipative und  kollaborative Arbeitsformen macht dies Sinn, da unterschiedliche Projekte und Unternehmungen höchst unterschiedliches Wissen und verschiedene Kompetenzen erfordern. Es bedeutet wenig über eine solide Allgemeinbildung zu verfügen, wenn bspw. spezielle Programmierkenntnisse gefordert sind. In einer zunehmend spezialisierten Welt wird entweder jeder über Spezialwissen verfügen oder aber, was wahrscheinlicher ist, Spezialwissen wird sich von Fall zu Fall angeeignet und ggf. auch wieder vergessen, sobald dieses nicht mehr benötigt wird. David Weinberger, Autor und Philosoph, vertritt in seinem jüngsten Buch ‚Too Big to Know‚ gar die Auffassung, dass Wissen zunehmend eine Eigenschaft des Netzes wird und weniger ein Charakteristikum für Individuen.

Möglicherweise also ist das, was Spitzer in seinem neusten Werk kulturpessimistisch als ‚Digitale Demenz‘ bezeichnet, die am besten geeignete Form des Wissensgenerierung, um den Anforderungen einer modernen und sich stetig ändernden Wissensgesellschaft adäquat begegnen zu können. In der Konsequenz bedeutete es schließlich, dass diese Form des Wissens einhergeht mit einer Verschiebung in Richtung Geschwindigkeit zu Lasten von Tiefe.

Wissen wird etwas zunehmend Dynamischeres, es fließt und unterliegt ständigem Wandel. Es vollzieht sich eine Veränderung in der Motivation des Lernens, vom Lernen für den (bestimmten) Zweck, hin zum Lernen nach Bedarf und zu der Zeit, die dafür passend erscheint. Weiterhin vollzieht sich ein Wandel weg von der verorteten intellektuellen Autorität, hin zum ‚Schwarm‘, für den räumliche und zeitliche Grenzen nicht mehr existieren.

Spitzer vertritt vehement die Auffassung, dass das gesunde menschliche Gehirn nicht nicht lernen kann. Es ist dafür optimiert  unentwegt Neues zu lernen. Somit liegt ein gewisser Widerspruch in seinen Behauptungen von der zunehmenden Verblödung. Lernt unser Gehirn tatsächlich IMMER, bedeutet das gemäß der Spitzer‘schen Logik, dass  lediglich  das WAS und  WIE sich verändern, nicht jedoch OB gelernt wird.

Es scheint also richtig zu sein, dass viele von uns nicht mehr in der Lage sind, Stadtpläne oder Landkarten zu lesen. Dafür aber wird die Bedienung der Navigationsgeräte beherrscht. An die Stelle der einen Fähigkeit tritt eine  neue.

Die Frage danach, ob bei dem neuen Wissen noch von Bildung i.e.S. gesprochen werden kann ist zweifellos berechtigt. Vom Verblöden zu sprechen scheint jedoch völlig unangemessen, denn Lernen selbst findet weiterhin statt.

Schaut Spitzer nun also einzig auf die neuronalen Bedingungen, so greift diese Sichtweise deutlich zu kurz. Wissen und Intelligenz lassen sich nicht allein nur in diesem Kontext begreifen. Sie sind nicht weniger auch  soziale und gesellschaftliche Phänomene, die es zu verstehen gilt.

Kein unnötiges Gequatsche mit lästigen Kunden….

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„Gemeingüter stärken. Jetzt!“

Unter dem Titel „Gemeingüter stärken. Jetzt!“ ist ein Manifest (noch eines..) erschienen, das aus dem politischen Salon “Gene, Bytes und Emissionen: Zeit für Allmende” der Heinrich-Böll-Stiftung entstanden ist.

Natürliche Gemeingüter sind notwendig für unser Überleben, soziale Gemeingüter sichern den Zusammenhalt und kulturelle Gemeingüter sind Bedingung für unsere individuelle Entfaltung. Es ist an der Zeit, unseren Enthusiasmus und unsere Kreativität, unsere Mittel und Talente auf die Mehrung des gemeinschaftlichen Reichtums zu konzentrieren. Wir müssen die Strukturen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit Blick auf dieses Ziel verändern.

….Unsere Gesellschaft braucht eine große Debatte und eine allgegenwärtige Bewegung für Gemeingüter. Jetzt!

Das komplette Manifest gibt’s als PDF beim CommonsBlog und in HTML bei keimform. Es steht unter der Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Lizenz, denn “die Vervielfältigung, Verlinkung und schöpferische Fortentwicklung dieses Dokuments ist ausdrücklich erwünscht”.

via [netzpolitik.org]

Videos der Zukunftswerkstatt

Nach der Podiumsdiskussion zur Zukunftswerkstatt auf dem Bibliothekartag hieß es zunächst, dass die Videoaufnahmen nichts geworden seien, weil die Tonspur nicht mitgelaufen ist. Nun freue ich mich darüber, die Aufnahmen inklusive Ton bei YouTube abrufen zu können.

Damit nicht jeder sich die richtige Reihenfolge zusammensuchen muss, hier die chronologische Abfolge.

1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14

Dank an dieser Stelle an die Leute der Zukunftswerkstatt. Es waren tolle Vorträge an Eurem Stand zu hören und alles in allem habt Ihr einen Superjob gemacht!!

Bibliothekartag 2009

Eine Woche ist zwischenzeitlich seit dem Bibliothekartag vergangen und nach und nach finden sich die einzelnen Veröffentlichungen dazu im Netz. Besonders die Beiträge der Zukunftswerkstatt sind zahlreich auf YouTube, Slideshare etc.  zu finden.

Am Stand der Zukunftswerkstatt hatte ich mir einige Vorträge angehört und war außerdem bei der großartigen Podiumsdiskussion, die eindeutig ein Highlight des Bibliothekartages gewesen ist. Da würde ich mich dem Statement Herrn Hobohms (der übrigens von der Diskussion ausgiebig getwittert hat) anschließen, das er zur Zukunftswerkstatt und zu den daran beiteiligten Damen und Herren abgegeben hat. Frau Lux und Frau Beger waren großartig. In der Tat konnten die Herren Schroll und Behrmann da nicht mithalten.

Auf den Seiten des BIB finden sich auch bereits einige Folien und Vortragstexte vom Bibliothekartag zum Download.

Interessant fand ich auch den Stand der Bücherhallen, der wo ich mir das neue eLearning-Angebot habe präsentieren lassen, das nun für Kunden zur Verfügung steht. Dank eines Test-Accounts kann ich das Angebot nun einmal gründlich auf „Herz und Nieren“ prüfen und werde das in der nächsten Zeit (wenn ich neben der Klausurvorbereitung dazu komme) auch machen.

Artikel zu ‚Digital Natives‘

In Manager-Magzin.de von gestern findet sich ein lesenswerter Artikel mit dem Titel „Die Revolution der Web-Eigeborenen.“